Wenn das Sprechen vieler Sprachen dazu führt, dass man weniger verstanden wird
Es gibt eine stille Illusion im Multilingualismus, über die kaum jemand offen spricht. Diese Illusion ist einfach: Je mehr Sprachen man spricht, desto besser wird man verstanden. In der Realität habe ich oft das Gegenteil erlebt. Eine Studentin erzählte mir einmal von ihrer Freundin. Diese Freundin sprach mehrere Sprachen. Vier, vielleicht mehr. Sie sprach fließend, sicher, scheinbar mühelos. Und trotzdem sagte sie eines Tages etwas, das fast paradox klang: „Mein ganzes Leben wollte ich, dass man mich versteht. Je mehr Sprachen ich gelernt habe, desto weniger war das der Fall.“ Auf den ersten Blick klingt das wie eine emotionale Übertreibung. Aber wenn man genauer hinschaut, ist es das nicht. Es ist eine Diagnose. Dieser Artikel ist auch in anderen Sprachen verfügbar: – Englische Version – Russische Version – Ukrainische Version Die erste Illusion: Kommunikation ist nicht Freiheit Beginnen wir mit einer scheinbar einfachen Situation. Diese Frau konnte mit verschiede...